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Der Barocker Erweiterungsbau
1644 - 1683
Nach der spätmittelalterlichen Blütezeit erlitt das Wallfahrtswesen während der Reformation einen einschneidenden Rückgang. Für die katholischen Landesfürsten und die Betreiber der Gegenreformation wurde aber gerade Mariazell als Heiligtum der Gottesmutter zum Symbol ihrer religiösen Ideale. Der Zustrom der Wallfahrer nahm daher im 17. Jahrhundert durch den wieder erstarkten Katholizismus rasch zu. Dies machte einen gänzlichen Um- und Neubau der alten Mariazeller Kirche notwendig. Im Zuge der Rekatholisierung entwickelte sich Mariazell zum Nationalheiligtum des Hauses Habsburg, welches die Barockisierung der Wallfahrtskirche mit hohen Summen unterstützte.
Bildunterschrift: Brandkatastrophe im 15. Jht. dargestellt auf einem Bild des Mirakelzyklus von Thomas Weiss, 1630
Der durchgreifender Umbau sowie die Erweiterung der Kirche nach Osten entstand ab 1644 nach Plänen des St. Lambrechter Stiftsbaumeisters Domenico Sciassia (gest. 1679) unter Abt Benedikt Pierin (1638 - 1662) und Abt Franz von Kaltenhausen (1662- 1707).
Zu Beginn der insgesamt fast 40 Jahre dauernden Bauarbeiten, wurde das dreischiffige Langhaus barockisiert. Die gotischen Pfeiler wurden ummantelt und die Gewölbe mit barockem Stuck und Deckenmalereien versehen. Anschließend wurden Seitenkapellen mit den darüber liegenden Emporen angefügt.
1654 wurde dann der gotische Chor im Osten abgebrochen und Platz für eine barocke Raumfolge geschaffen, deren Höhepunkt die längsovale Hochkuppel ist. Wandgliederungen, Deckengemälde und Stuckaturen lassen alle Bauteile auf den ersten Blick wie aus einem Guss erscheinen und verschleifen die Grenze zwischen erneuertem Altbau und barocker Erweiterung. Baumeister Sciassia ist es gelungen einen großzügigen und architektonisch beispielgebenden Raum zu schaffen, der nach wie vor den vielfältigen Anforderungen der zahlreichen Wallfahrergruppen entspricht.
Quitt 1898: „Beim Tode das Abtes Benedict (15.2.1662) war auch diese architektonisch hervorragende Partie (Osttrakt) der Kirche im Rohbau vollendet, mit der Ausnahme der Kuppel. Letztere sowie die beiden Seitenthürme an der Westfassade verdanken ihren Ausbau dem nachfolgenden Abte Franz von Kaltenhausen, der unter höchst schwierigen finanziellen Verhältnissen 1662 - 1707 regierte - sein Vorgänger hatte ihm eine Schuldenlast von 601.650 fl hinterlassen-, der aber trotzdem den Bau und vor allem die innere Ausstattung langsam weiterführte und bis 1683 zu einem gewissen Abschluss brachte."
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