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© Paul Ott, Graz
Die Votivbildsammlung

Die Basilika Mariazell beherbergt derzeit etwa 2500 Votivbilder und somit die größte derartige Sammlung in Österreich. Darunter sind etwa 510 Gemälde im engeren Sinn d.h. auf Leinwand bzw. Holz- oder Blechtafeln gemalte Bilder, 860 mit Widmungen versehene Drucke, 340 gestickte Textilbilder, sowie Kastenbilder, Klosterarbeiten, Collagen, gerahmte und gewidmete Fotografien, Marmortafeln und Grafiken. Nicht berücksichtigt in dieser Aufzählung sind die ca. 3200 Votivgaben - die unzähligen Eheringe, Schmuckstücke, Brautschleier und Rosenkränze, sowie die eigentlichen „Schatzkammerstücke" aus Gold, Silber und Edelsteinen. Großteils eingeschmolzen wurden die auch in Mariazell üblichen Wachs- und Silbervotive. Aber besteht nicht im Grunde die gesamte Kirche und ihre Ausstattung aus Votivgaben? - Der gotische Mittelturm eine Stiftung des König Ludwigs I. von Ungarn, die silberne Gnadenstuhlgruppe am Hochaltar eine Votivgabe Kaiser Karls VI. oder das silberne Gitter vor der Gnadenkapelle anlässlich einer der zahlreichen Wallfahrten Kaiserin Maria Theresias im Jahr 1753 versprochen.

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Die Maler der Votivbilder

Am einfachsten ist die Zuschreibung natürlich dann, wenn die Bilder signiert sind. Aber auch in diesen Fällen hilft der mehr oder weniger leserliche, bzw. abgekürzte Namen oft nicht weiter, denn in den kunstgeschichtlichen Nachschlagewerken findet man die meisten Namen nicht. Unterschieden werden muss dabei zwischen den großformatigen von Städten oder Wallfahrsgruppen gestifteten Bildern und den vorwiegend kleinformatigen, von einzelnen Hilfesuchenden in Auftrag gegebenen Bildern: während erstere, meist von einigermaßen renommierten Künstlern stammen und auch signiert wurden, weisen die kleinen, billigeren Bilder, geringerer Qualität und nur selten Künstlersignaturen auf.

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Das Verlöbnis

Anhand der auf vielen Votivbildern befindlichen exakten Datumsangabe betreffend des Gnadenaktes und der oft neben der Künstlersignatur befindlichen Jahreszahl, ergibt sich häufig ein Abstand von einem Jahr zwischen Verlöbnis und Fertigstellung des Bildes bzw. Anbringung in der Kirche. Ein Grund dafür, dürfte der Rhythmus der jährlichen Wallfahrt nach Mariazell sein. In einigen Fällen dauerte es aber auch mehrere Jahre, manchmal wurde noch im selben Jahr das Bild gemalt.

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Die "Kritzeleien" auf den Votivbildern

Ein typisches Phänomen an Wallfahrtsorten ist das Bekritzeln der Wände. Leider machten die Wallfahrer auch vor den Gemälden nicht halt und so wurde ein großer Teil der Votivbilder mit Namen, Jahreszahlen, Bitten wie  "Maria hilf!" oder Dankesworten bekritzelt. Nur selten wurden die Anliegen ausformuliert, wie jene anonyme und nicht datierte Bleistiftaufschrift: "Heilige Mutter Gottes von Maria Zell, Gnadenreiche Mutter ich bitte dich, laß ein Wunder geschehen und gib das mein liebes Kind wieder kehrt." Diese flehende Mutter hat das bekritzelte Bild offenkundig sehr gezielt ausgewählt, denn dargestellt ist eine vor der Basilika kniende Mutter mit ihrem Kind. Dass diese Unsitte aber eine wesentlich ältere Tradition hat, lässt sich am "Kleinen Mariazeller Wunderaltar" von 1512 ablesen, auf welchem Kritzeleien von 1609 noch zu entziffern sind.

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Zur Rezeption der Votivbilder

In den zahlreichen historischen Publikationen fanden die Votivbilder bis vor wenigen Jahren kaum Erwähnung. Darin unterscheidet sich Mariazell von anderen, vorwiegend den barocken Wallfahrtsorten nicht unwesentlich, die diesem Phänomen weit mehr Beachtung schenkten. In der vom Mariazeller Schatzmeister, Marian Sterz 1819 verfaßten "Geschichte der Kirche und des Ortes Maria-Zell" findet sich beispielsweise, abgesehen von der detailreichen Beschreibung der Kirche, eine minutiöse Aufzählung all dessen, was in den Schatzkammern zu bewundern ist, aber er erwähnt keine Votivbilder, sondern nur einige künstlerisch bedeutende Kunstwerke in der Schatzkammer oder Gaben von adeligen Spendern. Auch in Dr. Macher`s "Historisch, topographische(r) Darstellung des berühmten Wallfahrtsortes Maria Zell in Steiermark" von 1832 wird die Ausstattung der Schatzkammern beschrieben, nicht jedoch die Votivbilder.

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Votivgaben heute

Abgesehen von den seit 1951 aufgelegten und eifrig benutzen „Anliegenbüchern", finden wir immer wieder handgeschriebene Zettel, Zeichnungen oder einfache Collagen - die spontan entstanden - die Ursachen persönlicher Verzweiflung der Muttergottes anvertrauen. Weiters gibt es die bewusst gestalteten und durchdachten Votivgaben in den Techniken der heutigen Zeit - Computergrafiken, auf Metall applizierte Siebdrucke und viele selbst gefertigte Basteleien. Und schlussendlich gibt es eine dritte Kategorie und das sind z.B. alte, gerahmte Öldrucke von denen man den Eindruck hat, dass sie in der Basilika hinterlegt wurden, weil man das Bild nicht entsorgen, aber auch nicht mehr in der eigenen Wohnung aufhängen wollten. Im Umgang mit diesen Votivgaben wird von Seiten der Wallfahrtsleitung nicht unterschieden, denn einerseits sind vor Gott - unabhängig des künstlerischen oder materiellen Wertes - alle Votivgaben gleich wertvoll, und andererseits: was sich in den Herzen der dahinter stehenden Menschen tut, bleibt letztlich doch verborgen.

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